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Alle Aminosäuren im Überblick: essenziell, nicht-essenziell, BCAAs

Welche 20 Aminosäuren der Körper braucht, welche er selbst herstellt und warum Leucin der wichtigste Schalter ist.

Protein+ Redaktion28. Oktober 20263 min Lesezeit

Proteine bestehen aus 20 verschiedenen Aminosäuren. Neun davon sind essenziell. Der Körper kann sie nicht selbst herstellen und muss sie über die Nahrung aufnehmen. Für den Muskelaufbau zählt vor allem Leucin, weil es das Startsignal für die Muskelproteinsynthese gibt. BCAA-Präparate sind dagegen meist überflüssig, wenn die Proteinzufuhr stimmt.

Die drei Gruppen

Aminosäuren werden danach eingeteilt, ob der Körper sie selbst bilden kann.

Gruppe Aminosäuren
Essenziell (9) Histidin, Isoleucin, Leucin, Lysin, Methionin, Phenylalanin, Threonin, Tryptophan, Valin
Bedingt essenziell (6) Arginin, Cystein, Glutamin, Glycin, Prolin, Tyrosin
Nicht-essenziell (5) Alanin, Asparagin, Asparaginsäure, Glutaminsäure, Serin

Bedingt essenziell bedeutet, dass der Körper normalerweise genug davon herstellt. Bei Krankheit, starkem Stress oder im Wachstum kann der Bedarf die Eigenproduktion aber übersteigen. Cystein bildet der Körper zum Beispiel aus Methionin, Tyrosin aus Phenylalanin.

Leucin: der Schalter für Muskelaufbau

Leucin aktiviert den mTOR-Signalweg, der die Muskelproteinsynthese anstößt. Studien zeigen, dass dafür etwa 2 bis 3 g Leucin pro Mahlzeit nötig sind. Gleichzeitig braucht der Muskel aber alle anderen essenziellen Aminosäuren als Baumaterial. Leucin allein startet den Prozess, kann ihn aber nicht tragen.

So viel Leucin liefern typische Portionen:

Lebensmittel Menge für ca. 2,5 g Leucin
Whey Protein ca. 25 g Pulver
Magerquark ca. 250 g
Hähnchenbrust ca. 140 g
Eier ca. 4–5 Stück
Sojaprotein-Isolat ca. 35 g Pulver
Erbsenprotein ca. 35–40 g Pulver

BCAA: warum isolierte Präparate wenig bringen

BCAA steht für die drei verzweigtkettigen Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin. Sie wurden lange als Muskelaufbau-Supplement vermarktet. Ohne die übrigen sechs essenziellen Aminosäuren kann der Körper aber kaum neues Muskelprotein bilden. Eine viel beachtete Übersichtsarbeit von Wolfe (2017) kommt zu dem Schluss, dass BCAA allein die Muskelproteinsynthese nicht nennenswert steigern.

Wer über den Tag genug Protein isst, nimmt automatisch ausreichend BCAA auf. Ein Whey-Shake mit 25 g Protein enthält bereits rund 5 bis 6 g BCAA. Mehr dazu in BCAAs: sinnvoll oder überflüssig? und EAA vs. BCAA.

Das Aminosäureprofil eines Proteins

Wie wertvoll ein Protein ist, hängt davon ab, ob es alle essenziellen Aminosäuren in ausreichender Menge enthält. Die Aminosäure, die im Verhältnis zum Bedarf am knappsten ist, heißt limitierende Aminosäure. Sie bestimmt, wie viel des Proteins der Körper verwerten kann.

  • Whey, Casein, Ei und Fleisch sind vollständig und ohne relevante Limitierung.
  • Soja ist nahezu vollständig, nur Methionin ist leicht knapp.
  • Bei Erbse ist Methionin limitiert.
  • Bei Reis und Weizen ist Lysin limitiert.
  • Kollagen fehlt Tryptophan ganz, siehe Kollagen-Protein

Häufige Fragen

Brauche ich Aminosäure-Supplemente?

In den meisten Fällen nicht. Wer genug vollständiges Protein isst, deckt seinen Bedarf an allen Aminosäuren. Sinnvoll können EAA in Ausnahmefällen sein, etwa bei sehr geringer Nahrungsaufnahme oder im Alter.

Was ist der Unterschied zwischen EAA und BCAA?

EAA umfassen alle neun essenziellen Aminosäuren, BCAA nur drei davon. Für den Muskelaufbau sind EAA deutlich sinnvoller, weil sie das vollständige Baumaterial liefern.

Wie viel Leucin brauche ich pro Tag?

Für Erwachsene liegt der Mindestbedarf bei etwa 40 mg pro kg Körpergewicht. Für den Muskelaufbau kommt es eher darauf an, pro Mahlzeit 2 bis 3 g zu erreichen.

Fazit

Neun Aminosäuren musst du über die Nahrung aufnehmen, alle anderen bildet dein Körper selbst. Für den Muskelaufbau zählt ein vollständiges Protein mit genug Leucin pro Mahlzeit. Isolierte BCAA sind dafür meist rausgeworfenes Geld.

Stand: Oktober 2026.