Resorption bezeichnet die Aufnahme von Nährstoffen aus dem Darm über die Darmschleimhaut ins Blut oder die Lymphe. Bei Protein bedeutet das: Aminosäuren und kleine Peptide werden nach der Verdauung durch die Darmwand geschleust und stehen dann dem Körper zur Verfügung, etwa der Muskelproteinsynthese. Ohne Resorption bliebe der beste Nährstoff wirkungslos.
Resorption im Detail
Verdauung und Resorption sind zwei Schritte. Zuerst zerlegen Enzyme das Nahrungsprotein in Aminosäuren und kurze Peptide; danach nehmen spezialisierte Transporter im Dünndarm diese über die Zellwand der Enterozyten auf. Genau diese Aufnahmerate ist gemeint, wenn von „schnellen" und „langsamen" Proteinen die Rede ist: Whey wird zügig resorbiert, Casein bildet im Magen ein Gel und gibt Aminosäuren über Stunden verzögert ab (Boirie et al. 1997).
Relevant ist die Resorption vor allem für die Verdaulichkeit, wie sie in der DIAAS erfasst wird (FAO 2013). Nicht jedes zugeführte Gramm Protein kommt an: Anti-Nährstoffe in manchen Pflanzen, Zubereitung und Darmgesundheit beeinflussen, wie viel tatsächlich resorbiert wird.
Ein verbreiteter Mythos ist die enge „Resorptionsgrenze" von 20–30 g Protein pro Mahlzeit. Der Körper resorbiert praktisch das gesamte Protein einer Mahlzeit, nur langsamer. Überschüssige Aminosäuren gehen nicht verloren (Übersicht Schoenfeld & Aragon 2018). Für die reine Muskelproteinsynthese ist die pro-Mahlzeit-Menge eine sinnvolle Orientierung, für die Resorption an sich nicht.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Verdauung und Resorption?
Verdauung ist das Zerlegen der Nahrung in kleine Bausteine wie Aminosäuren durch Enzyme. Resorption ist der anschließende Schritt: die Aufnahme dieser Bausteine durch die Darmwand ins Blut. Erst nach der Resorption kann der Körper einen Nährstoff tatsächlich verwerten.
Kann mein Körper nur 20–30 g Protein pro Mahlzeit aufnehmen?
Nein, das ist ein hartnäckiger Mythos. Der Darm resorbiert nahezu das gesamte Protein einer Mahlzeit, nur bei größeren Mengen langsamer. Die 20–30-Gramm-Zahl bezieht sich auf die maximale Anregung der Muskelproteinsynthese pro Portion, nicht auf die Aufnahmefähigkeit.
Beeinflusst die Proteinquelle die Resorptionsgeschwindigkeit?
Ja, deutlich. Whey wird schnell resorbiert und lässt die Aminosäuren im Blut zügig ansteigen, während Casein durch Gelbildung im Magen über Stunden verzögert freigesetzt wird. Auch pflanzliche Quellen und Anti-Nährstoffe können die Aufnahme verlangsamen.